In dem Dorf Peremoha östlich von Kyjiw bündelt sich wie unter einem Brennglas die Gewaltgeschichte der Ukraine im letzten und in diesem Jahrhundert. Nach Holodomor, deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg, Zerstörung des Dorfes und Deportationen zur Zwangsarbeit nach Deutschland kehrte nun im Februar 2022 die Gewalt zurück. Peremoha musste einen Monat lang russischen Besatzungsterror erleiden.
Claudia Sievers berichtet über ein ungewöhnliches Projekt, das eine kleine Gruppe von Deutschen über zwanzig Jahre lang immer wieder in dieses Dorf führte. Sie waren dabei auf Schritt und Tritt von den Traumata der Vergangenheit, dem bitteren postsowjetischen Erbe und dem Emanzipationsstreben der Gegenwart begleitet. Sie sammelten Erinnerungen Überlebender, unterstützten die Infrastruktur, organisierten Jugendbegegnungen, luden ehemalige Zwangsarbeiter:innen nach Deutschland ein. Es ist eine Geschichte von hochfliegenden Plänen und kleinen Erfolgen, von tiefer werdendem Verständnis und wachsender Zuneigung.
|
Lieferzeit
|
Lieferzeit 2-3 Werktage.
|
|
Seitenzahl |
206
|
|
Erscheinungsdatum |
22.09.2025
|
|
Sprache |
Deutsch
|
|
Format |
8,3 in x 5,8 in
|
|
Typ |
Paperback
|
|
ISBN
|
978-3-8382-2018-5
|
|
Gewicht
|
297 g
|
|
Herstellerangaben zur Produktsicherheit gemäß EU-GPSR
|
mehr lesen
|
Eine Kirchentür, sie hängt nicht mehr in den Angeln, sondern in einer Ausstellung, als Exponat, denn auch sie wurde zu einem Objekt des Hasses, zur Zielscheibe im Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine. [...] Für Claudia Sievers ist die „zerschossene, zersplitterte und mit Löchern übersäte“ Kirchentür ein „Gedenkzeichen“, vielleicht auch so etwas wie eine Reliquie? Jedenfalls unbedingt eine Geschichte wert, der die Autorin eine Nahaufnahme widmet. Wie ihr Buch überhaupt Distanzen überwindet durch Mikrogeschichten in Großaufnahmen, die schockierende Schicksale aus der Gewaltgeschichte der Ukraine beglaubigen. [...] Dennoch ist es Hoffnung, die eine in ihren eigenen Texten bis zum Äußersten besonnene Autorin einer schockierenden Gewalt abzuringen vermag. Um das, was sicherlich religiös motiviert ist, nicht fahren zu lassen, beruft sich Sievers auf eine ukrainische Erfahrung. Auf eine trotz Holodomor und Genozid, Deportationen und Okkupation in „Familienerzählungen“ wachgehaltene „Geschichte der Resilienz, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.“
— Christian Thomas, Kleine Ukraine-Bibliothek (73), Frankfurter Rundschau, 15. November 2025.