Hätte dieses Buch irgend ein nichtrussischer Ethnopsychologe geschrieben, so wäre ihm der Vorwurf blossstellender Enthüllungsliteratur schwerlich zu ersparen: aus dem drohenden „Russischen Bären“ früherer Zeiten lässt Eugen Voss – welche Metamorphose – einen ethnopsychischen Riesenpatienten ausschlüpfen, dessen tiefsitzende Schäden sogar dessen „Europatauglichkeit“ in Frage stellen. Nur einem Russland-Schweizer (Russland-Deutschen?) stand es zu, hier Verfasser zu sein. Voss ist mütterlicherseits Russe. Sein schweizerischer Vater war in Russland zur Welt gekommen und, nach dem Studium in der Schweiz, dort in leitender Stellung tätig. Eugen Voss schrieb das Buch mit Blut, nämlich unter dem innerlichen Imperativ der herzzerreissenden Leidensgeschichte von abermillionen Seelen, die während neun Jahrhunderten von brutalen Herrschern, fremden und eigenen, zu unterwürfigkeitskranken Sklaven abgerichtet worden sind. Genesungshungrig flehen sie mit der chiffrierten Sprache ihrer neurotischen Vernarbungen, das Ausland möge ihnen mit seinen vorausgeeilten Humanerrungenschaften im individuellen Persönlichkeitsaufbau zur Seite stehen.
Voss tat gut daran, einen urtypischen, so nur den Slawen eigenen leisen Oberton im kollektiven Unterbewusstsein der Russen am Klingen zu erhalten: das Grundgefühl des solidarischen „Mir“ (der Dorfgemeinschaft). Geläutert durch echte Individuation könnte diese durch alle Zeiten hindurch lebendig gebliebene Gemeinschaftsfähigkeit sogar zum Heilmittel für uns allzu individualistischen Westeuropäer werden. Ost und West brauchen letztlich einander.
Werner Meyer
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Number of Pages |
314
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Language |
German
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Publication date |
19.07.2004
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Type |
Paperback
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Format |
21,0 cm x 14,8 cm
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ISBN
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978-3-89821-359-2
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Weight
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432 g
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Product safety information (EU GPSR)
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„Ein hervorragender Kenner Russlands, Pfarrer Eugen Voss. Langjähriger Leiter des ‚Instituts Glaube in der Zweiten Welt’, legt unter dem Titel ‚Warum sind die Russen so?’ ein hochinteressantes Buch zu Russland und den Russen vor. […] Das Buch von Eugen Voss ist ein herausragendes Werk, das bleibende Begegnungen mit Russen verschafft.“ (Schweizer Zeit, 10.09.2004)