Ziele und Handlungsweisen der Zentralgewalt waren so ambivalent wie die gesamte bürgerliche Revolution. Die Umwandlung des Deutschen Bundes in einen liberalen Verfassungsstaat für eine rechtsgleiche und offene Gesellschaft lief fraglos auf einen Systemwechsel hinaus. Zugleich wollte die Zentralgewalt aus Überzeugung große Teile der bisherigen Institutionen, insbesondere die Fürstenherrschaft, erhalten. Zum geringsten aus traditioneller Anhänglichkeit, sondern weil sie als der beste Schutzwall gegen die Ansprüche der Unterschichten erschien. Das lief auf Handlungsweisen hinaus, die zwischen Koexistenz und Akten revolutionärer Selbstermächtigung mit der nicht seltenen nachträglichen Kanalisierung in legale Formen einherging. Die Provisorische Zentralgewalt war eine revolutionäre Exekutive, doch keine Exekutive der Revolution. Denn sie hat deren Durchsetzung nicht zu ihrer obersten Priorität gemacht.
Die Zwielichtigkeit bestand ebenfalls darin, die vorhandenen Unruhen, Aufstände und sozialen Bewegungen zugleich zu kanalisieren und als Druckmittel zu benutzen gegen die monarchischen Regierungen und deren konservative Unterstützer. So sollte der Kurs der konstitutionellen Liberalen nach rechts abgesichert werden. Diese haben deswegen auch mit Handlungen und Symbolen gearbeitet, die unterschiedliche Interpretationen zuließen. Freilich waren auf diese Weise die tatsächlich bestehenden Differenzen nicht nachhaltig aufzulösen, sondern nur zeitweilig einzudämmen. Das Eintreten einer Situation, in der dieser Zwiespalt nicht mehr vermittelbar war, markierte das Scheitern des Frankfurter Projekts. Es war mithin sowohl die Existenzgrundlage als auch der fatale Grundzug der gesamten Bewegung, der Zentralgewalt und der Nationalversammlung, dass sie zugleich revolutionär und antirevolutionär waren.
(Aus dem Beitrag von Karsten Ruppert)
Leonid Luks
Dr. Leonid Luks studied History at Jerusalem and Munich. He is Professor Emeritus of Central and East European History at The Catholic University of Eichstätt-Ingolstadt, author of many books, and the General Editor of the Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte and Forum noveishei vostochnoevropeiskoi istorii i kul’tury.
Gunter Dehnert
Nikolaus Lobkowicz
Alexei Rybakow
Andreas Umland
Andreas Umland, M.Phil. (Oxford), Dr.Phil. (FU Berlin), Ph.D. (Cambridge), Research Fellow at the Swedish Institute of International Affairs in Stockholm, Senior Expert at the Ukrainian Institute for the Future in Kyiv, and Associate Professor at the National University of Kyiv-Mohyla Academy.
ORCID: 0000-0001-7916-4646
Marina Tsoi
Karsten Ruppert
Mikhail Minakov
Dr. Mikhail Minakov is Senior Fellow at the Woodrow Wilson Center for International Scholars, Washington DC, as well as editor of the Kennan Institute’s blog Ukraine Focus. He is also editor of the Milan-based Ideology and Politics Journal and philosophy website Koine. Among Minakov’s recent books are From “The Ukraine” to Ukraine (co-edited with Georgii Kasyanov and Matthew Rojansky, ibidem 2021), Post-Soviet Secessionism (co-edited with Daria Isachenko and Gwendolyn Sasse, ibidem 2021), A History of Experience (in Ukrainian, Laurus 2019), Development and Dystopia (ibidem 2018), Photosophy (in Ukrainian, Laurus 2017), and Demodernization (co-edited with Yakov Rabkin, ibidem 2018; in Italian, Ledizioni 2021). His over 90 articles have appeared in, among other journals, Russian Politics and Law, Russian Social Science Review, Southeastern Europe, Transit, Studi slavistici, Mondo economico, Porownania, Neprikosnovennyi zapas, Sententiae, Krytyka, Agora, Ukraina moderna, and Filosofska dumka.
Gregor Luks
Andrey Gurkov
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| Edited by | Leonid Luks , Gunter Dehnert , Nikolaus Lobkowicz , Alexei Rybakow , Andreas Umland , Marina Tsoi |
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| Contributions by | Leonid Luks , Karsten Ruppert , Mikhail Minakov , Gregor Luks , Andrey Gurkov |
| Number of Pages | 164 |
| Language | German |
| Format | 210,0 mm x 148,0 mm |
| Publication date | 15.10.2025 |
| Type | Paperback |
| ISBN | 978-3-8382-2088-8 |
| Weight | 245 g |
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